Castings – der ganz normale Wahnsinn

Castings sind ein essentieller Bestandteil im Leben eines Models. Sie bieten eine der wichtigsten Möglichkeiten um an Jobs zu kommen und neue Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Besonders in Märkten, die nicht für direct bookings bekannt sind, sind Castings absolut kriegsentscheidend. (Wer diesen Satz nicht verstanden hat, der möge bitte diesen Artikel sich zu Gemüte führen)

Bevor ich die verschiedenen Arten von Castings genauer erkläre, erst einmal das allgemeine Szenario. Castings finden zumeist in Foto- oder Filmstudios statt. Meistens von der Castingagentur, die der Kunde damit beauftragt hat Model zu sichten. Im Fashion Bereich besonders in Mailand oder Paris finden die Castings aber auch oft in Showrooms oder Stores der Designer statt. Das bietet sich an, weil Ware und Stylisten dann direkt vor Ort sind. Für grosse Jobs werden Castings oft auch zeitgleich über mehrere Tage an mehreren Standorten durchgeführt. Je nach Casting gibt es einen Zeitraum, in dem die Models unkoordiniert kommen können oder einen festen Termin haben, zu dem sie dann theoretisch pünktlich erscheinen. Das Model trägt sich dann im besten Fall in eine Liste ein und füllt unter Umständen ein Casting Sheet aus, in dem aktuelle Maße, Agentur und Größe und gegebenenfalls “Shooting Availability” abgefragt wird und ob jemals Konkurrenzprodukte beworben wurden. Dann beginnt eine mehr oder weniger lange Wartezeit. Mit viel Glück in einem ganz normalen Wartebereich auf einem Stuhl, sonst auf dem Boden oder auch nicht ganz unwahrscheinlich in einem dunklen, ungeheiztem  Treppenhaus oder in der prallen Sonne eines Mailänder Innenhofes im Juli. Manchmal sieht man grad einmal das Mädchen vor und nach einem, manchmal ist man in der unglücklichen Situation dass alle 300 geladenen Models ungefähr zeitgleich kommen.

Castings genau wie Speed Dating. Mit nur einem Mann. Den du in 30 Sekunden von dir überzeugen musst.

Natürlich musst du zum Produkt und den Erwartungen des Kunden passen. Wie Männer weiss der Kunde jedoch oft gar nicht genau was er will. Und es ist deine Aufgabe es bei ihm dämmern zu lassen, dass du genau das bist, wonach er sucht. Oft lassen Casting Direktoren die darauf folgenden Models zuschauen, um nicht alles doppelt und dreifach zu erklären. Also Speed Dating mit Zuschauern, bei dem auch noch eine Kamera läuft. Da haben es introvertierte oder schüchterne Menschen natürlich wirklich schwer. Zumal man auch teilweise wirklich seltsame Dinge tun soll. Beispielsweise so tun, als würde man aus einem Pool auftauchen. In einem weissen Studio. Stehend. Vor einem Haufen fremder Menschen.

Zusammenfassend ist es von grossem Vorteil, wenn man ein wenig uneitel ist und sich selbst nicht so ernst nimmt. 

Neben den gewöhnlichen Massencasting zu denen die Agenturen jedes Model schicken, dass gerade Zeit hat und verfügbar ist, geht es bei Requested Castings wesentlich gesitteter zu. Dort bekommt man oft einen festen Termin und schon ein Story Board oder genauere Infos, so dass man sich auf das Kommende einstellen kann. Es ist selten, dass Mädchen für Castings eingeflogen werden, kommt aber für requested castings besonders im TVC, also für TV Spots, schon mal vor.

Am wildesten geht es bei Castings für Fashion Shows oder Lookbooks zu. Dort sind nicht nur die meisten Models, die Selektion ist auch die Härteste. Das Model kommt in den Raum, händigt ihr Buch aus, wird aufgefordert zu laufen und kommt manchmal keine 2 Meter weit, bis sie schon wieder gebeten wird zu gehen. Aber Pronto bitte! Wenn es gut läuft, wird man machmal aufgefordert ein Outfit des jeweiligen Designer anzuziehen oder um seine Sedcard gebeten.

Ich habe bei Castings die kuriosesten Geschichten erlebt…. aber ich will ja nicht alles schon vorweg Spoilern. (Kauft das Buch!!!)

Noch einige Tipps, die ich aus reiner Herzensgüte mit Euch teile ( Kauft das Buch!!!)

  • Komm als Erste oder als Letzte. Am Anfang sind alle noch motiviert und nehmen sich tendenziell mehr Zeit sich die Kandidatinnen anzusehen. Am Ende ist es meist ruhiger und man hat die Chance hängen zu bleiben. So ist es auch leichter Folgetermine zu koordinieren.
  • Verbring deine Wartezeiten produktiv. Ich habe für die Uni gelernt. Unterhalte dich mit den anderen Mädels, so habe ich immer wahnsinnig viele Infos über Agenturen in anderen Städten oder Fotografen sammeln können. Du kannst natürlich aber natürlich auch sinnbefreit in den Handy starren und vor dich hin schweigen.
  • Bring immer ausreichend Wasser und Snacks mit. Gerade im Ausland, weisst du nie wie lange du warten musst und ob du nicht doch noch ein anderes Casting oder Go&See im Anschluss reinbekommst.
  • Einige Worte in der Sprache lernen, die in dem Land gesprochen wird in dem du dich grad befindest. Einerseits ist das ein Zeichen von Höflichkeit, ausserdem bleibt das Model das “Tamam Tamam” gesagt hat viel länger in Erinnerung.

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